Die Levermann-Kennzahlen: Stimmung

Die Levermann-Kennzahlen: Stimmung

Eine quantitative Strategie zur Aktienauswahl, welche die Stimmung mit einbezieht, wie passt das denn zusammen?! Ist es nicht gerade der Sinn quantitativer Strategien, allein nach „harten Kennzahlen“ zu investieren, z.B. Qualität oder Bewertung einer Aktie, und sich nicht von psychologischen Faktoren beeinflussen zu lassen?

Dies ist in der Tat so, wenn es darum geht eigene psychologische Fehler zu vermeiden. Jedoch lassen sich die Fehler anderer Marktteilnehmer dafür nutzen, selbst eine Überrendite zu erwirtschaften. Bei der Levermann-Strategie fließen daher die Analystenmeinungen und die Reaktion auf die Quartalszahlen mit in die Bewertung ein. Beide Kennzahlen geben wieder, in welcher Stimmung sich Analysten und Investoren in Bezug auf eine Aktie befinden und sind ein guter Indikator dafür, welche Erwartungen die Marktteilnehmer haben bzw. ob die Erwartungen durch konkrete Zahlen erfüllt wurden. Bei geringeren Erwartungen ist auch die Chance für positive Überraschungen größer. Beide Faktoren konnten in der Vergangenheit bereits Überrenditen erzeugen.


6. Analystenmeinungen

Definition:

Analysten geben ihre Meinung zu einer Aktie mit einem Buy (Kaufen), Hold (Halten) bzw. Sell (Verkaufen) an. Auf verschiedenen Webseiten wie z.B. finanzen.net gibt es zudem ein Overweight (Übergewichten) zwischen Buy und Hold bzw. Underweight (Untergewichten) zwischen Hold und Sell.

Bedeutung:

Die Analystenmeinungen werden bei der Levermann-Strategie als Kontraindikator verwendet, d.h. überwiegend positiv gestimmte Analysten führen zu einem Minuspunkt, negative Analysten-Stimmungen ergeben einen Pluspunkt. Warum ist das so? Die Meinung der Analysten ist als „Mehrheitsmeinung des Marktes“ bereits im Kurs einer Aktie eingepreist, d.h. bei positiver Stimmung gibt es kaum mehr Potential für positive Überraschungen, da die Erwartungen der Analysten bereits im Aktienkurs enthalten sind. Hier ist die Wahrscheinlichkeit von Rücksetzern höher, wenn sich die Gewinne doch nicht ganz wie erwartet entwickeln. Die Kontraindikation führt dazu, dass wir Aktien auswählen, die vom Markt abgestraft wurden, bei guten Zahlen (andere Kennzahlen beachten!) allerdings schneller zu positiven Überraschungen und damit zu Überrenditen führen können. Wir schwimmen quasi gegen den Strom und machen uns den Pessimismus des Marktes in Form der Differenz zwischen Erwartung und Realität als Kurspotential zunutze.

Berechnung nach Levermann:

AM = durchschnittliche Analystenmeinung (1=Buy, 2=Hold, 3=Sell)

  • +1 Punkt:  AM ≥ 2,5
  • 0 Punkte: 1,5 < AM < 2,5
  • -1 Punkt:   AM ≤ 1,5

Ausnahme: Berechnung für Small Caps mit höchstens 5 Analystenmeinungen:

Die Kontraindikation gilt vor allem für große und mittelgroße Unternehmen, die im Scheinwerferlicht stehen und von vielen Analysten beobachtet und bewertet werden. Anders sieht es bei kleinen Titeln aus, auf die nur wenige Analysten ein Auge geworfen haben. Hier werden die Analystenmeinungen zu einer „echten“ Indikation, d.h. positive Bewertungen sollen hier mit einem Pluspunkt honoriert werden. Bei solchen Aktien aus der dritten oder vierten Reihe spiegeln sich die Analystenmeinungen nicht oder nur langsam im Aktienkurs wider, daher ist hier bei optimistischen Meinungen weiterhin die Chance positiver Überraschungen gegeben.

Für Small Caps mit nicht mehr als 5 Analystenmeinungen gilt daher folgende Berechnung:

  • +1 Punkt:  AM ≤ 1,5
  • 0 Punkte: 1,5 < AM < 2,5
  • -1 Punkt:   AM ≥ 2,5

7. Reaktion auf Quartalszahlen

Definition:

Die Reaktion auf die Quartalszahlen stellt die Veränderung des Aktienkurses relativ zum zugehörigen Index am Tag der Quartalszahlen-Veröffentlichung dar. Die Kennzahl berechnet sich aus der Differenz der Aktienkurs-Änderung und der Index-Änderung an diesem Tag.

Bedeutung:

Die Börse liebt positive Überraschungen. Und wenn die Quartalszahlen eines Unternehmens positiver ausfallen als erwartet, führt dies in der Regel direkt zu einer Über-Performance am Tag der Bekanntgabe der Quartalszahlen. Doch auch danach ist eine Überrendite wahrscheinlich, denn eine positive Nachricht kommt selten allein. Zudem führen positive Reaktionen häufig zu einer Anpassung der Analystenbewertungen, was wiederum Einfluss auf den Aktienkurs hat. Vor allem bei kleinen Unternehmen kann ein schnelles Reagieren auf diese Kennzahl sinnvoll sein, da hier die Einpreisung in den Aktienkurs verzögert stattfindet.

Berechnung nach Levermann:

QZ = Veränderung des Aktienkurses minus Veränderung des Vergleichsindex-Kurses am Tag der Quartalszahlen-Veröffentlichung

  • +1 Punkt:  QZ > 1%
  • 0 Punkte: -1% ≤ QZ ≤ 1%
  • -1 Punkt:   QZ < -1%
Ich bin quantitativer Investor auf stetiger Suche nach interessanten Investment-Möglichkeiten und Strategien zur Aktienauswahl. Ich bin stets daran interessiert Neues zu lernen und offen für Anregungen. Softwareentwickler, Triathlet, Papa, Suffizient. Dies ist ein privater Blog, ich schreibe hier aus Lust und Spaß an Aktien. Jedwede Information stellt keine Anlageberatung dar, Anlageentscheidungen treffen Sie allein auf eigene Gefahr.

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