Die Levermann-Kennzahlen: Qualität

Die Levermann-Kennzahlen: Qualität

Im letzten Beitrag habe ich die Levermann-Strategie als quantitatives Modell zur Aktienauswahl beschrieben. In den nachfolgenden Beiträgen möchte ich auf die 13 Kennzahlen eingehen, welche zur Punktebewertung nach Levermann führen. Los geht es mit den 3 Kennzahlen aus der Kategorie „Qualität“: Eigenkapitalrendite, Gewinnmarge und Eigenkapitalquote.


Bedeutung der Qualitätskennzahlen

Was ist das Ziel der Levermann-Strategie? — Aktien zu finden, die derzeit unterbewertet bzw. vom Markt abgestraft wurden und für die sich ein Einstieg lohnt. Doch welche Aktien sind überhaupt lohnenswert? Nach Susann Levermann sollten bei diesen vor allem einige grundlegende Qualitätskennzahlen stimmen, welche fundamental in die Berechnung mit einfließen. In ihrem Buch Der entspannte Weg zum Reichtum werden auch einige Studien angeführt, welche eine Outperformance von Aktien mit guten Qualitätsmerkmalen belegen. So sind hohe Gewinnmargen eine Absicherung für schlechtere Zeiten und erlauben einen höheren Spielraum bei der Preisgestaltung, ebenso wie hohe Eigenkapitalrenditen, die jedoch nicht zulasten der Eigenkapitalquote gehen sollten. Für mich sind diese 3 Kennzahlen fundamental für Aktien, in die ich investieren möchte, da sie von guten Geschäftsmodellen zeugen.


1. Eigenkapitalrendite

Definition:

Die Eigenkapitalrendite (engl.: RoE, Return on Equity) wird berechnet als Verhältnis zwischen Gewinn (Jahresüberschuss) und Eigenkapital des Unternehmens.

Bedeutung:

Die Eigenkapitalrendite stellt den Ertrag für einen Unternehmer dar, den er auf sein eingesetztes Eigenkapital erhält und der ihn somit für seinen Aufwand und sein unternehmerisches Risiko entschädigt. Unternehmen mit hohen Eigenkapitalrenditen können ihren Unternehmenswert schneller steigern, da der Gewinn das Eigenkapital und somit den Unternehmenswert wachsen lässt. Dies sollte sich auch in steigenden Aktienkursen widerspiegeln. Hohe Eigenkapitalrenditen stellen auch einen Sicherheitspuffer für schlechtere Zeiten dar, falls die Gewinne einmal zurückgehen. Ungefähr 15% gelten unter Börsianern als Mittelwert, alles >20% ist sehr gut. Ein Nachteil des Eigenkapitals als alleinige Kennzahl ist, dass sie besonders hoch ist für Unternehmen mit einer geringen Eigenkapitalquote, d.h. mit einem hohen Verschuldungsgrad. Deswegen sollte dies mit in die Betrachtung einbezogen werden, was bei der Levermann-Strategie mit der Bewertung der Eigenkapitalquote (s.u.) der Fall ist.

Berechnung nach Levermann:

RoE = Eigenkapitalrendite des letzten bilanzierten Geschäftsjahres

  • +1 Punkt:  RoE > 20%
  • 0 Punkte: 10% ≤ RoE ≤ 20%
  • -1 Punkt:   RoE < 10%

2. Gewinnmarge

Definition:

Die Gewinnmarge ergibt sich in der Levermann-Strategie aus dem Verhältnis zwischen EBIT (Earnings Before Interest and Taxes) und Umsatz eines Unternehmens. Das EBIT bezeichnet dabei den operativen Gewinn eines Unternehmens, d.h. vor Abzug von Zinsen und Steuern und nach Abzug von Abschreibungen. Statt des Reingewinns wird das EBIT herangezogen, um Unternehmen miteinander vergleichbarer zu machen, für die international doch stark unterschiedliche Steuersätze gelten. Auch unterschiedliche Zinssätze sollen nicht berücksichtigt werden.

Bedeutung:

Die Gewinnmarge/EBIT-Marge gibt an, wieviel vom Umsatz am Ende beim Unternehmen übrig bleibt, d.h. wie effizient ein Unternehmen wirtschaftet bzw. wie rentabel dessen Geschäftsmodell ist. Firmen mit hohen Gewinnmargen können Umsatzrückgänge besser abfedern, ohne in die Verlustzone abzurutschen. Hohe Margen sind damit eine Art Absicherung für schlechtere Zeiten, sie stellen ein Qualitätsmerkmal dar und mindern das Anlagerisiko.

Berechnung nach Levermann:

EBIT-Marge = EBIT-Marge des letzten bilanzierten Geschäftsjahres

  • +1 Punkt:  EBIT-Marge > 12%
  • 0 Punkte: 6% ≤ EBIT-Marge ≤ 12%
  • -1 Punkt:   EBIT-Marge < 6%

Ausnahme: Berechnung für Finanzwerte:

Finanzwerte (Branchen: Banken, Versicherungen, Finanzdienstleistungen, Beteiligungen, Immobilien) erhalten generell 0 Punkte, da sie kein EBIT bzw. Umsatz im herkömmlichen Sinne ausweisen.

  • 0 Punkte: immer für Finanzwerte

3. Eigenkapitalquote

Definition:

Die Eigenkapitalquote (engl.: Equity Ratio) berechnet sich als Verhältnis von Eigenkapital zur Bilanzsumme eines Unternehmens. Ihr Gegenpart ist die Fremdkapitalquote, wobei die Summe von Eigenkapital und Fremdkapital die Bilanzsumme ergibt.

Bedeutung:

Die Eigenkapitalquote gibt an, wie viel Kapital eines Unternehmens aus eigenen Mitteln bedient wird und wie hoch fremdfinanziert werden muss. Hieraus lässt sich auch der Verschuldungsgrad als Verhältnis zwischen Fremdkapital und Eigenkapital ableiten. Dieser sollte nicht zu hoch sein, vor allem wenn an den Börsen momentan kein Bullenmarkt herrscht. Die Höhe einer guten Eigenkapitalquote ist stark vom Geschäftsmodell eines Unternehmens abhängig. Klassische Industrieunternehmen mit einem hohen Anteil gebundenen Eigenkapitals in Form von Maschinen und Gebäuden sollten eine höhere Eigenkapitalquote besitzen (~30%), für dienstleistungsnahe Unternehmen können geringere Werte angesetzt werden (~15%).

Berechnung nach Levermann:

EK-Quote = Eigenkapitalquote des letzten bilanzierten Geschäftsjahres

  • +1 Punkt:  EK-Quote > 15%
  • 0 Punkte: 15% ≤ EK-Quote ≤ 25%
  • -1 Punkt:   EK-Quote < 15%

Ausnahme: Berechnung für Finanzwerte:

Für Finanzwerte (Branchen: Banken, Versicherungen, Finanzdienstleistungen, Beteiligungen, Immobilien) wird diese Kennzahl angepasst berechnet. Aufgrund ihres Geschäftsmodells (Geld entgegennehmen und verleihen/anlegen) besitzen solche Unternehmen typischerweise geringere Eigenkapitalquoten, womit auch die Anforderungen bzgl. der Eigenkapitalquote bei diesen geringer sind.

  • +1 Punkt:  EK-Quote > 10%
  • 0 Punkte: 5% ≤ EK-Quote ≤ 10%
  • -1 Punkt:  EK-Quote < 5%
Ich bin quantitativer Investor auf stetiger Suche nach interessanten Investment-Möglichkeiten und Strategien zur Aktienauswahl. Ich bin stets daran interessiert Neues zu lernen und offen für Anregungen. Softwareentwickler, Triathlet, Papa, Suffizient. Dies ist ein privater Blog, ich schreibe hier aus Lust und Spaß an Aktien. Jedwede Information stellt keine Anlageberatung dar, Anlageentscheidungen treffen Sie allein auf eigene Gefahr.

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  1. […] der Sinn quantitativer Strategien, allein nach „harten Kennzahlen“ zu investieren, z.B. Qualität oder Bewertung einer Aktie, und sich nicht von psychologischen Faktoren beeinflussen zu […]

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