Über die Levermann-Strategie

Susan Levermann beschreibt in ihrem sehr kurzweiligen Buch Der entspannte Weg zum Reichtum nicht nur, welche psychologischen Fehler Anleger typischerweise an der Börse machen (Überschätzung, Lieblingsaktien, Kursanker, …), sondern auch wie sich solche Fehler mit einer klar definierten Strategie vermeiden und zum eigenen Vorteil nutzen lassen. Neben solch eher allgemeinen Aussagen zeigt sie auch konkret, durch welche logischen Vorgehensweisen sich in der Vergangenheit empirisch Überrenditen erreichen ließen. Das Ganze mündet dann in ihrer eigenen quantitativen Strategie, die sie dem Leser im Detail und anhand eines konkreten Beispiels vorstellt.

Die Strategie

Die Levermann-Strategie besteht grundsätzlich aus 13 Kennzahlen, nach denen Unternehmen bewertet werden. Hierbei kommt ein gleichgewichtetes Scoring-System zum Einsatz: für jede der 13 Kennzahlen bekommt ein Unternehmen -1, 0 oder 1 Punkt. Die Punkte der Einzelkennzahlen werden dann aufsummiert, womit sich eine Gesamtpunktzahl zwischen -13 und 13 ergibt. Je nach Marktkapitalisierung ergibt diese Punktzahl ein Signal zum Kaufen, Halten oder Verkaufen der jeweiligen Aktie. Für Large Caps (Kapitalisierung > 5 Mrd. €) ergeben mind. 4 Punkte ein Kaufsignal, bei höchstens 2 Punkten wird verkauft. Mid (> 2 Mrd. €) und Small Caps werden erst ab 7 Punkten gekauft und bereits bei 4 Punkten oder weniger verkauft. Ein weiteres Selektions-Modell ließe sich erstellen, indem man zunächst eine Rangliste erstellt und dann z.B. die Top 10% kauft, unabhängig von der Bewertung. In der praktischen Anwendung habe ich bisher allerdings nur Variante 1 gesehen.

Die Levermann-Kennzahlen werden im regelmäßigen Turnus geprüft, dabei auftretende Verkaufsignale werden unabhängig von Gewinn/Verlust direkt umgesetzt, was wieder Platz für neue Aktien schafft, die ein Kaufsignal haben. Die Prüfung der Kennzahlen sollte nicht zu oft stattfinden, laut Fr. Levermann beispielsweise alle 2 Wochen. Bei einzelnen Kriterien ist es sinnvoll, ihre Prüfung an das Auftreten bestimmter Ereignisse zu binden, z.B. die „Reaktion auf Quartalszahlen“ an den Veröffentlichungstag der neuen Quartalszahlen, um dann direkt handeln zu können (und eine gewisse Trägheit der Börse auszunutzen).

Ziel der Levermann-Strategie ist es die besten Aktien zu finden, die qualitativ eine gute Bewertung vorweisen können, zudem gut bewertet sind und an der Börse für positive Überraschungen sorgen könnten. Sie ist allerdings keine Garantie nur Gewinner-Aktien hervorzubringen. Viele der Kennzahlen und ihre Kombination liefern empirisch betrachtet im Schnitt eine Überrendite, den Kurs einer Aktie vorhersagen kann man damit aber (natürlich) auch nicht. Umso wichtiger ist eine Diversifikation des Portfolios, indem mind. 10, besser 15-20 Aktien gehalten und regelmäßig auf die Levermann-Kriterien geprüft werden. Sinnvoll erscheint hierbei ebenfalls eine Streuung über unterschiedliche Märkte, Branchen und Kapitalisierungen.