Quantitatives Investieren – was ist das eigentlich?

Quantitatives Investieren – was ist das eigentlich?

Seit jeher stellen sich Investoren die Frage: in welche Aktie soll ich mein Geld investieren? Welche Titel soll ich kaufen, um im Marktvergleich eine Überrendite zu erwirtschaften? Eine Möglichkeit hierfür ist die quantitative Aktienauswahl, die sich von subjektiven und psychologischen Faktoren löst und Investments rational allein von Zahlen wie z.B. Unternehmenskennzahlen abhängig macht.

Vorgehen

Es gibt nicht „die eine“ quantitative Strategie. Quantitatives Investieren stellt nur das prinzipielle Vorgehen dar, sagt aber nichts über die tatsächliche Strategie und die Kennzahlen aus, nach denen Investment-Entscheidungen getroffen werden. Allen quantitativen Strategien eigen ist, dass sie aus einer Menge von Kennzahlen ein Scoring bzw. Ranking von Aktien durchführen. Anhand des ermittelten „Scores“ bzw. der resultierenden Rangliste werden dann Kauf- bzw. Verkaufsignale generiert, die dem Investor vorgeben, wie er sein Depot strukturieren sollte. Dies macht Investment-Entscheidungen sehr einfach und rational, vorausgesetzt die gewählte Strategie wird konsequent verfolgt.

Kennzahlen

Mögliche Kennzahlen quantitativer Analysen können dabei sehr unterschiedlich ausfallen. Oftmals werden betriebswirtschaftliche Fundamentaldaten eines Unternehmens einbezogen. Dazu gehören Bilanzdaten, KGV, KBV, KCV, RoE, EBIT-Marge, etc. Mit vielen dieser Daten lassen sich qualitativ hochwertige Unternehmen identifizieren. Auch Schätzungen (EPS, KGV, DIV, …) für das laufende und die nächsten Kalenderjahre können ein wesentlicher Bestandteil quantitativer Strategien sein. Weiterhin können Ergebnisse der technischen Analyse (Chartanalyse) mit einfließen, z.B. Trendlinien, Widerstände und Unterstützungen. Und auch Kennzahlen aus der Sentimentanalyse können mit einbezogen werden, d.h. psychologische Faktoren wie die Stimmung der Marktteilnehmer, die Meinung von Analysten, das Newsaufkommen, etc.  Die Möglichkeiten und Kombinationen an unterschiedlichen Kennzahlen sind schier unendlich.

Mit der immer besseren Verfügbarkeit notwendiger Kennzahlen im Internet und der Leistungsfähigkeit moderner Rechner gewinnt das quantitative Investieren seit einigen Jahren immer stärker an Bedeutung. Die größte Herausforderung dabei ist, aus der Fülle der Kennzahlen eine Strategie zusammenzustellen, die für einen selbst und die eigenen Vorstellungen passt. Möchte man diesen Aufwand nicht betreiben, kann man auch auf bewährte Strategien wie z.B. die populäre Levermann-Strategie zurückgreifen. Die größte Herausforderung besteht dann in der Datenbeschaffung an sich bzw. in der Sicherstellung der Datenqualität, die essentiell ist, um Anlageentscheidungen darauf aufbauend zu treffen.

Wie, wenn nicht quantitativ?

Quantitative Analyse ist nur eine Möglichkeit der Aktienanalyse. Ein weiterer Kandidat ist z.B. die Fundamentalanalyse, bei der sich ein Investor anhand der fundamentalen Kennzahlen, des ökonomischen Marktumfelds und der Geschäftsaussichten ein möglichst umfassendes Bild des Unternehmens und seiner Zukunftsaussichten macht und versucht den aktuellen fairen Preis des Unternehmens zu ermitteln. Aktien, deren Kurs unter diesem fairen Preis liegt, sind nach der Fundamentalanalyse gute Kaufkandidaten. Dabei wird angenommen, dass die Aktie in der Zukunft zu ihrem fairen inneren Wert zurückkehrt, d.h. steigen wird. Value Investing basiert auf dieser Annahme und es konnte bereits gezeigt werden, dass hiermit eine Überrendite möglich ist.

Fundamentalanalyse von Einzelaktien ist ungleich aufwendiger als der quantitative Ansatz, gleichwohl lässt sich damit auch nicht voraussagen, wie es um ein Unternehmen zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft wirtschaftlich bestellt sein wird. Die Zukunft zu prognostizieren ist nun einmal unmöglich und aus dem Resultat der Fundamentalanalyse lässt sich nicht die zukünftige Kursentwicklung ableiten. Gleichwohl tendiert der Wert eines Unternehmens dazu sich dem inneren/fairen Wert anzunähern – ob dies allerdings in einem Monat oder in 10 Jahren der Fall sein wird, kann nicht gesagt werden. Eine quantitative Analyse kann Fundamentaldaten und somit Teile einer Fundamentalanalyse mit einbeziehen, sie ist aber ungleich einfacher durchzuführen und zu automatisieren. Jeder mit moderaten Excel- bzw. Programmierkenntnissen kann automatisiert quantitative Analysen erstellen und Aktien auswählen.

Qualität vs. Quantität?

Quantitatives Investieren schließt Qualität nicht aus. Im Gegensatz zur üblichen Begrifflichkeit der „Quantität“ geht es beim quantitativen Investieren nicht um eine möglichst große Menge, sondern höchstens um die Größe bestimmter Kennzahlen. Dies kann auch qualitative Kennzahlen mit einschließen, wie z.B. eine hohe Eigenkapitalquote, eine hohe EBIT-Marge, kontinuierliche Dividendenausschüttungen oder ein hohes Umsatzwachstum. Eine gute quantitative Strategie wird solche qualitative Faktoren mit einbeziehen.

Die Psychologie der Märkte

Das Hauptziel quantitativen Investierens ist es, eigene Anlageentscheidungen zu rationalisieren und nicht von eigenen Emotionen, Ängsten und Erwartungen abhängig zu machen. Ein Szenario, das wahrscheinlich häufig vorkommt: kaum hat sich ein Investor für eine Aktie entschieden und diese gekauft, fällt sie erst einmal im Wert, sagen wir 5-10%. Aus Frust die falsche Anlageentscheidung getroffen zu haben, wird sie verkauft, nur um daraufhin direkt im Wert zu steigen. Oder sie wird nicht verkauft und solange gehalten, bis zumindest der Einstandskurs wieder erreicht ist. Man will ja keine Verluste machen… dann aber schnell weg damit! Gerade ein solches irrationales Verhalten von Anlegern ist dafür zuständig, dass Charttechnik im gewissen Rahmen doch funktioniert. Rational ist es hingegen nicht…

Märkte werden zu einem großen Maße von Fehlentscheidungen der Marktteilnehmer getrieben. Hype-Themen lassen Kurse über jegliche Bewertung hinaus explodieren, die Gefahr für Blasen entsteht. „Ungeliebte Aktien“ scheinen in einer unaufhörlichen Abwärtsspirale gefangen und aus den negativen Schlagzeilen nicht mehr herauszukommen, bieten bei entsprechenden Kennzahlen allerdings eine gute Einstiegschance. Marktteilnehmer überschätzen sich, handeln unentschlossen, versuchen Verluste wie der Teufel das Weihwasser zu meiden, schieben ihr Geld hin und her, aber ohne Strategie. Sie setzen unbeirrbar auf „Lieblingsaktien“, unabhängig vom realen Kursverlauf, heimische Märkte sind ihnen am liebsten (Home Bias). Die meisten von ihnen werden es nicht schaffen eine Überrendite zu erwirtschaften.

Quantitative Investoren versuchen zum einen solche psychologischen Fehler selbst zu vermeiden, indem sie z.B. Einstandskurse und aktuelle Kurse komplett aus ihren Entscheidungen und ihrem Denken verbannen. Käufe und Verkäufe machen sie ausschließlich von der Bewertung durch ihre quantitative Strategie abhängig, andere Faktoren werden ausgeblendet. Weiterhin machen sie sich die psychologischen Fehler der anderen zunutze, indem z.B. auch ungeliebte Aktien gekauft werden bzw. solche, die in letzter Zeit stark unter Druck geraten sind. Voraussetzung dafür ist, dass eine entsprechende Kennzahl in der eigenen quantitativen Strategie enthalten ist.

Ich bin quantitativer Investor auf stetiger Suche nach interessanten Investment-Möglichkeiten und Strategien zur Aktienauswahl. Ich bin stets daran interessiert Neues zu lernen und offen für Anregungen. Softwareentwickler, Triathlet, Papa, Suffizient. Dies ist ein privater Blog, ich schreibe hier aus Lust und Spaß an Aktien. Jedwede Information stellt keine Anlageberatung dar, Anlageentscheidungen treffen Sie allein auf eigene Gefahr.

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  2. […] Vergangenheit empirisch Überrenditen erreichen ließen. Das Ganze mündet dann in ihrer eigenen quantitativen Strategie, die sie dem Leser im Detail und anhand eines konkreten Beispiels […]

  3. […] ist quantitatives Investieren das von mir präferierte Investment-Vehikel? Hier sind meine […]

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